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Montag, 8. Februar 2010, 14:35

Zum Thema positionen 82, Feburar 2010 - Magie

Keine andere Kunst scheint für magische Wirkungen so prädestiniert zu sein wie die ungegenständliche, widerstandslos ins Innere des Menschen dringende Musik. Und obwohl der neuen Musik nach wie vor der schlechte Ruf anhaftet, sie sei rational unsinnlich und konstruiert, hat sich gerade die Moderne jene magischen Wirkungen schon längst wieder zu nutze gemacht. Man denke nur an Iannis Xenakis "Persephassa" (1969) für sechs das Publikum in ihre Mitte nehmende Schlagzeuger oder an La Monte Youngs "Dream House" mit der Lichtinstallation von Marian Zazeela, das er 1962 als Konzept formulierte. Beide Werke reißen bereits den wesentlichen Widerspruch des Magischen in der Moderne auf: Will es – kopflos – vereinnahmen oder kann es unsere Sinne für wache, neue Erfahrungen öffnen?
Helmut Lachenmann reflektiert in seinem Denken und Schaffen diesen Widerspruch als »Brechung von Magie« und führt damit einen zentralen Terminus ein, mit dessen Diskussion Ulrich Mosch dieses Heft eröffnet. Ungeachtet des darin verankerten Antagonismus machen besonders die Aufsätze von Sabine Sanio, Björn Gottstein, Gerhard Uebele und Claudia Tittel deutlich: Die Wiederentdeckung magischer Elemente in der musikalischen Moderne hat inzwischen vielerlei Facetten und Motivationen. Es scheint, als ob Magie ein Mittel ist, um die mit der Avantgarde verloren geglaubte Sinnlichkeit auf zeitgenössische Weise wieder in kraft zu setzen. Der durch die zweijährige Förderung der Siemens-Musikstiftung ein letztes mal mögliche Fotoessay von Arne Reinhardt "Künstliche Zeit" führt in fotografische Welten magischen Gestaltens. Zugleich schlägt er mit seinen Motiven aus den norwegischen Wäldern eine Brücke zu den norwegischen Komponisten Ole-Henrik Moe (Ute Schalz-Laurenze) und Øyvind Torvund (Björn Gottstein). Auch diesmal wieder laden wir Sie dazu ein, über das Thema Magie in der zeitgenössischen Musik zu diskutieren. (Gisela Nauck)

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